Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Posts mit dem Label San Juan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label San Juan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 13. Mai 2016

Vorurteile und Ignoranz

¡Hola!



Wortart: Substantiv, Neutrum
Häufigkeit: ▮▮▮▯▯


RECHTSCHREIBUNG

Worttrennung: Vor|ur|teil


BEDEUTUNGSÜBERSICHT

ohne Prüfung der objektiven Tatsachen voreilig gefasste oder übernommene, meist von feindseligen Gefühlen gegen jemanden oder etwas geprägte Meinung

Beispiele

  • ein altes, weitverbreitetes, unausrottbares Vorurteil
  • Vorurteile gegen Ausländer, gegen den Islam
  • Vorurteile hegen, ablegen, abbauen
  • er hat ein Vorurteil gegen die Naturheilkunde
  • gegen Vorurteile angehen, kämpfen
  • jemanden in seinem Vorurteil bestärken
  • sich von seinen Vorurteilen frei machen, befreien



SYNONYME ZU VORURTEIL

Abneigung, Feindschaft, Feindseligkeit, Voreingenommenheit, Widerwille; (gehoben)Animosität, Degout, Unmut; (bildungssprachlich) Antipathie, Aversion, Ressentiment; (Sozialpsychologie, Psychologie) Stereotyp

°°°



Vorurteile sind etwas hässliches, von denen niemand betroffen sein will. Und doch urteilen wir über unsere Mitmenschen ohne sie zu kennen. Oben sieht man die Definition des Dudens zum Wort Vorurteil. Jedoch ist es meiner Meinung zu schön dargestellt – die meisten Situationen betreffend.

Viele Austauschschüler müssen sich ihren eigenen Vorurteilen stellen oder sie selber hinnehmen von den Einheimischen. Man kann sich noch so oft vormachen, dass man keine hat – jeder hat immer welche.  Das musste ich selber lernen. Ich hatte unbewusst so viele Vorurteile gegenüber meinem neuen Gastland und den Leuten dort, dass es mich ganz schön erschreckte, als ich das kürzlich realisiert habe. Zum Glück habe ich diese mittlerweile abgelegt, da dies jetzt auch mein Land ist, und ich die Kultur und die Menschen akzeptiert habe. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich trotzdem noch welche habe – vielleicht nicht mehr Argentinien gegenüber, aber sicher über ein anderes Land, andere Menschen, andere Kultur –, auch wenn ich glaube, dass ich dazu gelernt habe.
°°°

Ein Vorurteil ist ein Urteil über Personen oder Sachverhalte, das ohne wirkliches Wissen über diese Person bzw. diesen Sachverhalt gebildet wird. Damit ist auch eine Wertung verbunden. Vorurteile können etwas entweder besser oder aber schlechter darstellen, als es tatsächlich ist, sie können also positiv oder negativ sein.  Wenn behauptet wird, dass alle Deutschen fleißig sind, so ist dies genauso ein Vorurteil wie die Annahme, dass alle Schotten und Schottinnen sparsam oder alle Menschen in Österreich gemütlich seien.  Wenn man mehr über diese Personen oder Sachverhalte erfährt, kann ein Vorurteil entweder korrigiert werden, oder aber das zusätzliche Wissen wird als Ausnahme von der Regel gewertet und das Vorurteil bleibt bestehen.  Gefährlich werden Vorurteile, wenn sie zur Diskriminierung anderer Menschen führen. Das ist z.B. bei rassistischen Vorurteilen der Fall (Rassismus). Dabei werden Menschen auf Grund ihrer Abstammung bestimmte negative Eigenschaften zugeschrieben und sie werden dementsprechend abwertend beurteilt.
°°°



Manchmal kann ich all diese Stereotypen nicht mehr hören, dass ich einfach nur sarkastische Antworten gebe. Ich weiss, dass das eigentlich fies ist. Aber mit der Zeit merkt man auch, wer wirklich was wissen will und wer seine Meinungen nur bestätigt haben will. Was mich aber am meisten überrascht ist, dass mir einige dann sogar tatsächlich glauben! 

Ich glaube, das Beste ist, wenn du Personen mit Vorurteilen offen gegenübertrittst. Halte deinen Geist offen und verständnisvoll. Ich weiss, dass das manchmal schwierig ist. Davor habe ich ja erwähnt, dass auch ich mich manchmal nicht zurückhalten kann. Obwohl ich glaube das mehr daran liegt, dass mich diese Ignoranz gegenüber anderen Kulturen so aufregt weniger die Vorurteile. 

°°°


Psychologische Definition
In der sozialpsychologischen Literatur bezeichnet man als Vorurteil eine negative oder positive Haltung gegenüber Personen, Gruppen,Objekten oder Sachverhalten, die weniger auf direkter Erfahrung als vielmehr auf Generalisierung beruht. Die Mehrzahl bestehender Vorurteilsdefinitionen konzentriert sich auf Vorurteile negativen Inhalts, da diese eher als positive Vorurteile schädigende Wirkung nach sich ziehen. In der klassischen Formulierung von Allport (1954; 1971) werden Vorurteile definiert als “ablehnende oder feindselige Haltung gegen eine Person, die zu einer Gruppe gehört, einfach deswegen, weil sie zu dieser Gruppe gehört und deswegen dieselben zu beanstandenden Eigenschaften haben soll, die man dieser Gruppe zuschreibt.” Die zahlreichen Definitionen orientieren sich mehrheitlich an Einstellungsdefinitionen (Einstellung). Dabei werden Vorurteile, zumindest in älteren Ansätzen, der affektiven Komponente zugerechnet oder mit affektiven und kognitiven Anteilen versehen, während der verwandte Begriff des Stereotyps mit der kognitiven Komponente einer Einstellung gleichgesetzt wird. 
°°°




Wie in dieser psychologischen Definition gibt sowohl negative wie auch positive Vorurteile.
Menschen denken nicht immer nur schlecht über dich, wenn sie dich zum ersten Mal sehen. Vielleicht denken sie 'Ah, sie hat schöne Haare und gepflegte Haut. Sie achtet sicher auf Hygiene'. Und das ist doch etwas Gutes, oder nicht? 
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mich am Anfang alle anfassen wollten – Haare, Gesicht –; ich fand es ziemlich unangenehm. Schliesslich habe ich mich dann daran gewöhnt.
Also denkt immer daran, es gibt auch positive Vorurteile. Seid nicht immer gleich beleidigt, wenn jemand vorschnell über euch urteilt.
°°°



¡Chau!

Montag, 18. April 2016

How it is to be on exchange!

¡Hola!



"Distance sometimes lets you know who's worth keeping and who's worth letting go."

Für ein Jahr befindet sich man in einem anderen Land, weit weg von all seinen Freunden und seiner Familie. Dabei ist natürlich in Kontakt bleiben um einiges schwieriger als normalerweise. Und eigentlich will man ja nicht, dass man sich auch auf mentaler Eebene mehr von diesen dir so wichtigen Personen entfernt. 
Nur, leider kann man das manchmal nicht kontrollieren und plötzlich findet man sich vor dem Laptop, Skype geöffnet, Angesicht zu Angesicht mit einer Freundin und hat absolut keine Ahnung über was man denn reden soll. Der Kontakt lässt immer mehr nach bis man gar keinen mehr hat.
Vielleicht liegt es daran, dass du dich verändert hast und somit auch deine Ansichten. Du verstehst diese Person nicht mehr und hast keine gemeinsame Basis. Oder deine Freundin kommt mit deiner Veränderung nicht klar und macht das durch ihre einsilbigen Antworten klar.
Dennoch verliere nicht die Hoffnung, wenn du ein zukünftiger Austauschschüler bist. Denn manchmal hilft dir es auch, um einigen Menschen näher zu kommen. Du realisierst plötzlich wie wichtig dir eigentlich diese Person ist und kommunizierst viel öfters mit ihr.




"Okay, well, let me just tell you, if we were having this argument in my native language, I'd be kicking your butt."

Sprachliche Hindernisse werden dir zu Beginn häufig über den Weg laufen. Man will seine Meinung und Ansichten teilen, mitdiskutieren und argumentieren. Aber plötzlich, wenn man schon alle Argumente schön in Gedanken vorbereitet hat, kommt einem in den Sinn, dass man das ja jetzt alles in einer anderen Sprache machen muss. Ups!
Da ist man zuerst natürlich mal frustriert. Davon kann ich ein Lied singen! Ich glaube die ersten drei Monate in Argentinien war ich total frustriert, denn ich konnte nicht mal sagen, dass ich Hunger habe oder aufs Klo muss.
Mit der Zeit akzeptiert man diese Hilflosigkeit, gewöhnt sich daran und lernt möglichst viel über die neue Sprache. Plötzlich realisiert man eines Tages wie viel besser sein Spanisch, Englisch oder was auch immer geworden ist! Da denkt man sich gleich 'Wow, jetzt kann ich endlich mal mit den Anderen argumentieren!'. Leider funktioniert das nicht so, denn jetzt wo man endlich auf all die Fragen, Vorurteile und Verallgemeinerungen antworten kann, realisiert man schnell wie frustrierend das sein kann. Manchmal werden mir Fragen gestellt wie: Weisst du was Lasagne ist und hast du das schon mal gegessen? Nein, natürlich weiss ich nicht, was Lasagne ist. Es kommt ja nur aus Italien und die Schweiz grenzt an Italien. Und irgendwann gibt man auf all diese Leute zu berichtigen, denn die Meisten hören eh nicht zu. Traurig, nicht?



"Switches languages in mid-sentence while talking to myself."

Sobald man die neu gelernte Sprache besser kann, versucht man sie anzuwenden. Doch da merkt man plötzlich, dass einem ein Wort fehlt und füllt es automatisch mit einem Wort aus seiner Muttersprache. Leider passiert das nicht nur, wenn man mit sich selber spricht, sondern auch wenn man mit Familie oder Freunden redet. 
Mir ist das mehr als einmal passiert und manchmal verwirre ich mich selber mit diesem komischen Sprachengewirr, das sich in meinem Kopf befindet.

"There comes a point in your life when you realize that nothing will ever be the same, and you realize that from now on time will be divided into two parts - before this and after this."

Neue Erfahrungen verändern dich, erweitern dein Blickfeld und stellen deine bisherigen Ansichten in Frage.
Während einem Austauschjahr bist du zum ersten Mal auf dich alleine gestellt und trägst die ganze Verantwortung alleine. Dies ist das Jahr in dem du deine eigenen Meinungen besser bilden kannst, da deine Eltern und Lehrer nicht mehr da sind und dir sagen, wie die Dinge laufen und du das einfach übernimmst und akzeptierst ohne zu hinterfragen. Deshalb finde ich es auch so wichtig, dass man mal diese Erfahrung machst, denn du kannst Dinge neu sehen und entdecken ohne unter Einfluss deiner Eltern zu stehen.
Zudem lernst du eine neue Kultur kennen. Jede Kultur hat andere Ansichten, andere Religionen, andere Ideen und Meinungen. Du nimmst plötzlich wahr, dass es auch noch etwas anderes gibt, als das was du kennst. Du veränderst dich, wirst erwachsener und verstehst dich selber besser. Vor dem erwachsen werden und danach.


"Making fun of my accent? I'm bilingual!!!"

Mich verletzt es sehr, wenn sich jemand über meinen Akzent lustig macht. Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben diese Sprache zu lernen. Mehrere Stunden voller Hoffnungslosigkeit und Frustration habe ich hinter mich gelegt.
Und was mich dann am Meisten ärgert, ist dass diese Personen monolingual sind und nicht einmal Englisch können. Ich dagegen muss irgendwie mit dem wirren Gemisch von fünf Sprachen zurecht kommen, das ist manchmal gar nicht so einfach. Vor allem wenn man ein Wort in der einen Sprache weiss, aber in der, die man gerade spricht, hat man das Wort vergessen. Meistens sag ich dann einfach der Person, dass wenn sie sich an Schweizerdeutsch versuchen müsste, würde sie kläglich scheitern und definitiv nicht mehr über mich lachen.
Also bitte, hilft mir lieber und korrigiert mich als über mich zu lachen, ignorante Menschen!



"That awkward moment when you unconsciously speak to someone in a language they don't know."

Wie schon erwähnt vermischt man manchmal ohne Absichten Sprachen. Das führt manchmal zu verwirrenden und peinlichen Momenten, wenn man zum Beispiel auf einmal mit den Eltern Spanisch redet und die keine Ahnung haben, was man da sagt. Oder man Deutsch spricht mit den argentinischen Freunden. 
Manchmal vergisst man einfach, wo man sich aufhält und es rutscht einem ein Wort in der falschen Sprache unterbewusst heraus.

"When you use Google Translator more to translate stuff into your native language because you can't remember the word anymore than to actually translate stuff to a foreign language."

Man hat sich so in die neue Sprache eingelebt und gebraucht sie täglich, dass man sich einfach nicht mehr an dieses blöde Wort in seiner Muttersprache erinnert. Es kann so einfaches Wort wie Apfel sein. Kürzlich konnte ich mich ums Verrecken nicht mehr an das Wort Klimaanlage auf Deutsch erinnern. Mir ist das erst wirklich wieder eingefallen, nach dem ich es übersetzt habe. Das ist peinlich, aber ich glaube das passiert jedem Austauschschüler, leider.



¡Chau!

Mittwoch, 10. Februar 2016

La Isla del Tesoro - Musical


¡Hola!




Die Schatzinsel.


"La Isla del Tesoro"
So heisst das Musical, bei dem ich glücklicherweise mitmachen durfte.

Seit Oktober arbeiten wir zusammen - insgesamt fast 40 Personen - an diesem unglaublichen Musical über Piraten, einen Schatz und merkwürdige Kreaturen. Jeden Sonntag haben wir uns um 4 oder 5 Uhr nachmittags draussen getroffen (ja, manchmal auch bei 35 Grad im Schatten) und haben bis um 9 Uhr abends zusammen geprobt. In nur 4 Monaten haben wir das ganze Stück auf die Beine gestellt, was ein ganz schoen harter Brocken war. Vor allem da ich am Anfang meistens überhaupt nichts verstanden habe vom schnell gesprochenen Spanisch mit teilweise komischen Wörtern.


···



Das Musical dauert insgesamt zwei Stunden, obwohl es zum Glueck zwischen den zwei Akten eine Pause gab. Ansonsten hätten wir wohl nicht genügend Zeit gehabt uns umzuziehen. Zuerst waren wir normale Bauern, dann Piraten, später merkwürdige Kreaturen und dann wieder Piraten. Wobei natürlich die Tänzerinnen sich öfters umziehen mussten als alle anderen.


···



Am Beginn des Musicals wie eine Gruppe von Piraten den Schatz suchen, wobei einer von ihnen stirbt. Der Sohn dieses Pirats wird Jahre später von einem Freund seines Vaters aufgesucht, wo ihm dann die Schatzkarte in die Hand gedrückt wird. Zusammen mit seiner Mutter sucht er den Rat einer Freundin, La Doctora, die erkennt, dass die Karte zur "La Isla del Tesoro" führt. Zusammen machen sie sich auf die Suche, wobei ihnen jedoch einige boese Piraten auf der Spur sind.




···



Nachdem die Schiffe geputzt und seetüchtig gemacht wurden, beginnt die lange Reise zur Insel. Jim Hawkins - der junge Protagonist - ist ganz enthusiastisch und voellig begeistert von den Piraten, die er unterwegs kennengelernt hat. Denn ein besonders böser Pirat hat ihnen unter einem scheinheiligen Vorwand seine Hilfe und Unterstützung angeboten.
Auf der Insel angekommen wird Jim Hawkins von der restlichen Gruppe getrennt. Dabei stösst er auf eine wilde Frau, die sich als Königin der Insel vorstellt. Begleitet von ihren Kreaturen, die sie beschützen, macht sie Jim zu ihrem König, als sie feststellt, dass er menschlich ist. Das ist ziemlich ungewöhnlich, denn sie lebt seit 10 Jahren - das glaubt sie zumindest - auf dieser Insel und hat seitdem keinen einzigen Menschen mehr gesehen.






 ···



Schliesslich werden Jim Hawkins und Penny, die Königin, von der "Doctora" und ihren zwei Begleitern gefunden. Zuerst sind sie Penny gegenüber misstrauisch, vertrauen ihr aber jedoch, als sie vor den Piraten flüchten müssen. Auch wenn sich alle nicht so ganz sicher sind über Penny's psychische Gesundheit.
Kurz darauf kommt es zu einem Kampf zwischen den Bösen und den Guten. Als die Guten besiegt werden, wird bemerkt, dass Jim, der die Schatzkarte hat, wieder mal fehlt. So wird sich auf die Jagd nach Jim gemacht.





···



Morgana, die Kapitänin, hat kurz darauf ihren grossen Auftritt. Sie singt von sich und ihrer Grösse - eine starke, dominante Frau. Zwar ist sie sehr auf den Schatz erpicht, bekommt ihn jedoch schlussendlich. Denn "Silver", der böse Pirat, gibt am Ende vor zu sterben und nimmt sich dann die Schatztruhe, während alle um ihn trauern. Tja, ausnahmsweise mal kein Happy End.
Das Musical endet mit allen zusammen singend.





···



Ich hatte so viel Spass, während des ganzen Projekts.
Manchmal war es ein bisschen chaotisch und alle waren mega aufgeregt kurz vor dem Auftritt. Natürlich hat es ein paar Patzer gegeben, aber schlussendlich zählt nur, wie man sich fühlt. Das Adrenalin, das durch den Körper rauscht. Dein Herz, das wie wild schlägt. Und der Applaus am Ende.


Hier, noch weitere Fotos zum geniessen.






···



¡Chau!




Mittwoch, 3. Februar 2016

Mein Geburtstag - mi cumple


¡Hola!





Das war das erste Mal in meinem ganzen Leben, dass ich im Sommer Geburtstag hatte - und das auch noch in Argentinien!
Am 27. war ich zusammen mit meinen zwei Brüdern frühstücken in einem neuen Café hier in San Juan. Das war so lecker! Vor allem war es mal wieder ein bisschen wie in der Schweiz. Denn in Argentinien frühstückt man eigentlich nicht. Es wird nicht als wichtig erachtet. Vielleicht trinkt man einen Mate oder Tee und isst eine Semita, aber mehr auch nicht. Und in der Schweiz wird halt richtig gefrühstückt. Vor allem Wochenende mit Zopf, Gipfeli, Butter, Konfitüre, Aufschnitt, Käse, Lachs, 3-Minuten-Ei, Kaffee, Orangensaft und Tee.
Also zurück zum Thema, wir hatten echt geniales Frühstück mit Rührei, Speck, Lachsbrötchen und Kaffee.
Danach hatte Agustin, mein jüngerer Bruder, ein wichtiges Treffen mit der Schülerversammlung. Facundo und ich gingen währenddessen ins Zentrum einige Dinge einkaufen und bei unserer Tante vorbeischauen. Nachmittags waren ich und meine Mutter Nancy im Schwimmbad. Es war richtig schön, nicht zu heiß mit relativ wenigen Leuten, Mate, Kekse und Brettspiele.
Zum Abendessen sind wir alle wieder zu Hause zusammengetroffen. Es gab Empanadas, da die mein Lieblingsessen hier sind.
Meine Familie hat mich mit einem Geschenk überrascht. Ich habe eigentlich gar nichts erwartet. Das argentinische Fußball-T-Shirt, das sie mir geschenkt haben, finde ich echt genial. Jetzt brauche ich nur noch eine argentinische Flagge.





°°°



Am Freitag den 29. Januar habe ich Familie und Freunde eingeladen, um auch noch mit ihnen zusammen zu feiern. Man hat jetzt nicht jeden Tag in einem anderen Land Geburtstag. Gemeinsam verbrachten wir den ganzen Tag in unserem "Club" (Schwimmbad) mit Pool und Choripan. Das ist eine Spezialität hier. Chorizos sind Würste, die man auf dem Feuer grillt und danach in ein Brötchen klemmt mit Salatblätter, Tomaten, Mayonnaise und Ketchup. 
Zum Dessert hatten wir Birchermüesli – eine schweizer Spezialität –, das ich selber zubereitet habe. Es hat allen geschmeckt, was mich echt gefreut hat, denn Argentinier sind eher zurückhaltend, wenn es darum geht neue Sachen auszuprobieren.
Den restlichen Tag wurde nach dem Essen im Pool, mit Kartenspielen wie Truco und Uno, mit Gesprächen und natürlich Geschenken verbracht. Truco übrigens ist ein argentinisches Spiel, das ich bisher immer noch nicht so wirklich verstanden habe.
Meine "consejera" Elsa hat mir ein Buch mit Fotografien zur Provinz und Stadt San Juan geschenkt, das einfach unglaublich toll ist! Von meinen Freunden habe ich ein Pyjama, ein Armband und eine Halskette bekommen.

((Zwischengedanke: Halskette ist ein komisches Wort! Findet ihr nicht auch? Deutsch wird von Tag zu Tag merkwürdiger.))

Ich habe einen richtig schönen Tag verbracht mit all diesen wundertollen (ja, ich erfinde neue Wörter. Verklag mich doch!) Menschen, die ein Teil meines Lebens in Argentinien sind.





°°°






¡Chau!


Dienstag, 26. Januar 2016

Weihnachten und Neujahr in Argentinien

¡Hola!




Wieso Weihnachten in einer anderen Kultur nie so schön ist wie zu Hause.
Weihnachten ist Kerzenlicht, Christbaum, Familie, Liebe und ganz viel Essen. Nun hat man 16 Jahre lang Weihnachten immer mit seinen Eltern und dem Rest der Familie gefeiert und auf einmal ist man in einem anderen Land mit 40 Grad, einer völlig anderen Familie und feiert den Heilig Abend. Irgendwas ist unterwegs verloren gegangen. 
Wo ist das Kerzenlicht hingegangen? Wo ist der echte Tannenbaum? Wo ist das Fondue oder die Schweizer Schokolade?
So fühlte sich das für mich an.

Ich hatte schlussendlich einen wunderschönen Abend mit meinen Brüdern, meiner Mutter, meinem Vater und meiner Grossmutter. Dennoch war es merkwürdig und hat sich für mich nicht sehr weihnachtlich angefühlt. Das könnte natürlich auch an den 40 Grad liegen, die wir hatten.


In Argentinien wird der Christbaum – natürlich Plastik – am 8. Dezember aufgestellt und geschmückt. Unser Baum wurde mit vielen Lichterketten behängt wie auch unsere Krippen. Geschenke sind hier nicht so wichtig, das heisst es wird keine ellenlange Wunschliste für alle Verwandten geschrieben. Meine Familie zum Beispiel ging am 24. Dezember zusammen ins Shoppingcenter und da hat sich jeder dann was ausgesucht. Das Geschenk wird dann eingepackt und abends wieder geöffnet. Ich habe ein Buch auf Spanisch bekommen. Denn zu lesen hilft beim Erlernen einer neuen Sprache.

Wir hatten so viel zu Essen. Unter anderem „pollo relleno“, das ein typisches Weihnachtsessen hier ist. „Pollo relleno“ ist ein Poulet gefüllt mit Schinken, Käsewürfel und roter Peperoni, das Hühnchen wird mit Senf eingestrichen und danach in den Backofen geschoben. Das ist soo lecker! Dann hatten wir noch Cherrytomaten gefüllt mit Roquefort und Rum, Toastbrötchen mit Hühnchen, Frischkäse, Ei und Würstchen garniert mit Orangenschale und Cognac.
Zum Dessert habe ich Schweizer Omeletten mit selbstgemachtem Apfelmus zubereitet. Wieso hab ich „Schweizer Omeletten“ geschrieben? Weil man nur in der Schweiz diese so nennt, ansonsten sind es nämlich Pfannkuchen oder Crêpes. Dieses typisch schweizerisches Gericht hat allen geschmeckt, auch wenn meine Brüder ein bisschen vom Zimt überwältigt waren, da Argentinier eher keine Gewürze verwenden.

Die meisten Jugendlichen gehen nach dem Essen tanzen und trinken mit Freunden. Gegen 6, 7 oder sogar 8 Uhr morgens kommt man dann wieder nach Hause. Ich war zwar nicht tanzen, aber ich habe mit meinem Bruder Agustin noch eine Freundin besucht. Dort haben wir ein bisschen gequatscht und zusammen Fruchtsalat gegessen. Gegen 5 Uhr morgens waren wir wieder zu Hause und gingen schlafen.
Alles in allem war es ein schönes, wenn auch ungewöhnliches Weihnachten.
°°°


- die Cherrytomaten mit Roquefort - 

 - pollo relleno -

 - Toastbrot mit Poulet, Frischkäse und Würstchen - 




- Omelette mit Apfelmus -



Neujahr war für mich eine viel schönere Erfahrung. Ich hatte kein Heimweh und konnte es deshalb richtig geniessen. Natürlich hat es wieder richtig viel zu essen gegeben. Aber wir hatten ja auch noch meine drei Cousins (Gonzalez, Leandro, Pablo), meine Tante Myriam und mein Onkel Jorge zur Hilfe. Obwohl wir erst gerade kürzlich die letzten Überresten vom Silvesteressen gegessen haben.
Zum Essen hatten wir ein gegrilltes Bein eines Schweines, Empanadas und natürlich alles mit Mayonnaise. Mmmh, das war so gut! Zum Dessert haben wir Schweizer Schokolade, die mir mein Grossmami zugeschickt hat, genossen und „Lemonchamp“. Das ist Champagner mit Zitroneneis.

Danach wollten wir – meine Brüder, meine Cousins und ich – an eine Party gehen, was wir schlussendlich nicht gemacht haben ausser Facundo.
Ist euch das auch schon aufgefallen? Argentinier lieben es auf Partys zu gehen, tanzen und was weiss ich auch noch. Hier ist es richtig normal, dass man an einem Feiertag nach dem Abendessen ausgeht. Wenn man 18 ist geht man in die „boliche“ – die Disko oder Club – oder wenn nicht, dann gibt es sicher irgendeine private Party. Als sie das erste Mal gehört haben, dass ich in der Schweiz schon um 12 Uhr nachts zu Hause sein musste, waren sie völlig entsetzt. Hier verlässt man das Haus um 12 Uhr oder sogar später und ist um 6 Uhr in der Früh wieder zurück.

Bis um 5 Uhr sassen wir alle zusammen da und haben gequatscht. Ich fand’s eine wunderschöne Nacht und werde sie für immer in Erinnerung behalten.
°°°


- unsere mexikanische Krippe -

 - unser Plastik-Christbaum -


- ich und meine Brüder Facundo und Agustin -



¡Chau!




P.S.: Sorry, dass ich erst so spät update. Wir hatten für einen Monat kein Internet mehr und danach war ich auf einer zweiwöchigen Reise im Süden von Argentinien.



Donnerstag, 10. Dezember 2015

Cambiar La Familia – Familienwechsel



¡Hola!



Wie wahrscheinlich mittlerweile alle wissen, habe ich die Familie gewechselt.
Dazu gab es verschiedene Gründe. Ich werde jetzt auch nicht zu sehr ins Detail gehen. Auf jeden Fall hatte ich keine Probleme mit der vorherigen Familie persönlich. Es waren mehr die Umstände und Dinge, die mir gefehlt haben, und ich als wichtig empfinde für einen Austausch. Vielleicht war das für sie nicht so, ich weiss es nicht genau. Ich glaube auf jeden Fall, dass sie die ganze Situation mit einem Austauschschüler ein bisschen unterschätzt haben. Das ist nicht einfach nur ein weiteres Familienmitglied, das man vielleicht auch ignorieren kann und für sich allein weiterlebt. Man muss aktiv sein, denn diese Person kennt die Kultur nicht und die Kenntnisse zu einer neuen Kultur werden einem nicht auf einem Silbertablett serviert. Zudem kann man die Sprache ja auch noch nicht richtig oder am Anfang gar nicht, so wie bei mir.

Ich werde jetzt mal nicht erzählen warum genau. Aber was so abgelaufen ist schon.
Also, da war diese eine Tag – es war ein Montag –, da ging es mir richtig schlecht. Davor habe ich alles an schlechten Gedanken verdrängt, ich wollte unbedingt, dass es funktioniert. Jedoch hatte eine andere Austauschschülerin gerade ihre Familie gewechselt und da habe ich begonnen, darüber nachzudenken wie es mir hier so geht.
Es hat auch nicht gerade geholfen, dass ich an diesem Morgen mit meinen Eltern in der Schweiz skypte und mit ihnen darüber sprach. Sie waren nämlich der Meinung, dass wenn es mir nicht gut gehe, es kein Problem wäre zu wechseln. Ich befürchtete jedoch, dass meine Ängste und Schwierigkeiten nicht ernsthaft genug wären und ich übertreiben würde. Und plötzlich fühlte ich mich total unter Druck. Der Tag war emotional schon vorher zum Scheitern verurteilt. Ich war regelrecht froh in die Schule zu gehen zu können, weil ich dort Zeit für mich haben würde. Dort hat mich dann meine Englischlehrerin angesprochen und gefragt, ob alles gut wäre. Sie spürte irgendwie, dass etwas los war. Und da hab ich dann losgeheult, als ich ihr alles erzählte. Sie beruhigte mich, redete mit mir und danach ging es mir ein bisschen besser.
Daraufhin habe ich mit meiner „consejera“ von AFS gesprochen. Ich war unendlich erleichtert, als sie mir versicherte, dass sie mich verstehen könne. Sie hatte so viel Verständnis für mich und meine Situation, dass ich mich sofort meiner angenommen fühlte. Daraufhin konnte ich mich endlich entspannen. Der Wechsel selber ging relativ schnell von der Bühne. Am Freitag die Woche darauf bekam ich dann die Nachricht, dass ich an diesem Tag die Familie wechseln würde. Seit ungefähr einem Monat lebe ich jetzt mit meiner neuen Familie.
°°°


¡Chau!