¡Hola!
Wieso Weihnachten in einer anderen Kultur nie so schön
ist wie zu Hause.
Weihnachten ist Kerzenlicht, Christbaum, Familie,
Liebe und ganz viel Essen. Nun hat man 16 Jahre lang Weihnachten immer mit seinen
Eltern und dem Rest der Familie gefeiert und auf einmal ist man in einem
anderen Land mit 40 Grad, einer völlig anderen Familie und feiert den Heilig
Abend. Irgendwas ist unterwegs verloren gegangen.
Wo ist das Kerzenlicht
hingegangen? Wo ist der echte Tannenbaum? Wo ist das Fondue oder die Schweizer
Schokolade?
So fühlte sich das für mich an.
Ich hatte schlussendlich einen wunderschönen Abend mit
meinen Brüdern, meiner Mutter, meinem Vater und meiner Grossmutter. Dennoch war
es merkwürdig und hat sich für mich nicht sehr weihnachtlich angefühlt. Das
könnte natürlich auch an den 40 Grad liegen, die wir hatten.
In Argentinien wird der Christbaum – natürlich Plastik
– am 8. Dezember aufgestellt und geschmückt. Unser Baum wurde mit vielen
Lichterketten behängt wie auch unsere Krippen. Geschenke sind hier nicht so
wichtig, das heisst es wird keine ellenlange Wunschliste für alle Verwandten
geschrieben. Meine Familie zum Beispiel ging am 24. Dezember zusammen ins
Shoppingcenter und da hat sich jeder dann was ausgesucht. Das Geschenk wird
dann eingepackt und abends wieder geöffnet. Ich habe ein Buch auf Spanisch
bekommen. Denn zu lesen hilft beim Erlernen einer neuen Sprache.
Wir hatten so viel zu Essen. Unter anderem „pollo
relleno“, das ein typisches Weihnachtsessen hier ist. „Pollo relleno“ ist ein Poulet
gefüllt mit Schinken, Käsewürfel und roter Peperoni, das Hühnchen wird mit Senf
eingestrichen und danach in den Backofen geschoben. Das ist soo lecker! Dann hatten
wir noch Cherrytomaten gefüllt mit Roquefort und Rum, Toastbrötchen mit
Hühnchen, Frischkäse, Ei und Würstchen garniert mit Orangenschale und Cognac.
Zum Dessert habe ich Schweizer Omeletten mit
selbstgemachtem Apfelmus zubereitet. Wieso hab ich „Schweizer Omeletten“
geschrieben? Weil man nur in der Schweiz diese so nennt, ansonsten sind es
nämlich Pfannkuchen oder Crêpes. Dieses typisch schweizerisches Gericht hat
allen geschmeckt, auch wenn meine Brüder ein bisschen vom Zimt überwältigt
waren, da Argentinier eher keine Gewürze verwenden.
Die meisten Jugendlichen gehen nach dem Essen tanzen
und trinken mit Freunden. Gegen 6, 7 oder sogar 8 Uhr morgens kommt man dann
wieder nach Hause. Ich war zwar nicht tanzen, aber ich habe mit meinem Bruder
Agustin noch eine Freundin besucht. Dort haben wir ein bisschen gequatscht und
zusammen Fruchtsalat gegessen. Gegen 5 Uhr morgens waren wir wieder zu Hause
und gingen schlafen.
Alles in allem war es ein schönes, wenn auch
ungewöhnliches Weihnachten.
°°°
- die Cherrytomaten mit Roquefort -
- pollo relleno -
- Toastbrot mit Poulet, Frischkäse und Würstchen -
- Omelette mit Apfelmus -
Neujahr war für mich eine viel schönere Erfahrung. Ich
hatte kein Heimweh und konnte es deshalb richtig geniessen. Natürlich hat es
wieder richtig viel zu essen gegeben. Aber wir hatten ja auch noch meine drei
Cousins (Gonzalez, Leandro, Pablo), meine Tante Myriam und mein Onkel Jorge zur
Hilfe. Obwohl wir erst gerade kürzlich die letzten Überresten vom
Silvesteressen gegessen haben.
Zum Essen hatten wir ein gegrilltes Bein eines
Schweines, Empanadas und natürlich alles mit Mayonnaise. Mmmh, das war so gut!
Zum Dessert haben wir Schweizer Schokolade, die mir mein Grossmami zugeschickt
hat, genossen und „Lemonchamp“. Das ist Champagner mit Zitroneneis.
Danach wollten wir – meine Brüder, meine Cousins und
ich – an eine Party gehen, was wir schlussendlich nicht gemacht haben ausser
Facundo.
Ist euch das auch schon aufgefallen? Argentinier
lieben es auf Partys zu gehen, tanzen und was weiss ich auch noch. Hier ist es
richtig normal, dass man an einem Feiertag nach dem Abendessen ausgeht. Wenn
man 18 ist geht man in die „boliche“ – die Disko oder Club – oder wenn nicht,
dann gibt es sicher irgendeine private Party. Als sie das erste Mal gehört
haben, dass ich in der Schweiz schon um 12 Uhr nachts zu Hause sein musste,
waren sie völlig entsetzt. Hier verlässt man das Haus um 12 Uhr oder sogar
später und ist um 6 Uhr in der Früh wieder zurück.
Bis um 5 Uhr sassen wir alle zusammen da und haben
gequatscht. Ich fand’s eine wunderschöne Nacht und werde sie für immer in
Erinnerung behalten.
°°°
- unsere mexikanische Krippe -
- unser Plastik-Christbaum -
- ich und meine Brüder Facundo und Agustin -
¡Chau!
P.S.: Sorry, dass ich erst so spät update. Wir hatten
für einen Monat kein Internet mehr und danach war ich auf einer zweiwöchigen
Reise im Süden von Argentinien.







