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Dienstag, 26. Januar 2016

Weihnachten und Neujahr in Argentinien

¡Hola!




Wieso Weihnachten in einer anderen Kultur nie so schön ist wie zu Hause.
Weihnachten ist Kerzenlicht, Christbaum, Familie, Liebe und ganz viel Essen. Nun hat man 16 Jahre lang Weihnachten immer mit seinen Eltern und dem Rest der Familie gefeiert und auf einmal ist man in einem anderen Land mit 40 Grad, einer völlig anderen Familie und feiert den Heilig Abend. Irgendwas ist unterwegs verloren gegangen. 
Wo ist das Kerzenlicht hingegangen? Wo ist der echte Tannenbaum? Wo ist das Fondue oder die Schweizer Schokolade?
So fühlte sich das für mich an.

Ich hatte schlussendlich einen wunderschönen Abend mit meinen Brüdern, meiner Mutter, meinem Vater und meiner Grossmutter. Dennoch war es merkwürdig und hat sich für mich nicht sehr weihnachtlich angefühlt. Das könnte natürlich auch an den 40 Grad liegen, die wir hatten.


In Argentinien wird der Christbaum – natürlich Plastik – am 8. Dezember aufgestellt und geschmückt. Unser Baum wurde mit vielen Lichterketten behängt wie auch unsere Krippen. Geschenke sind hier nicht so wichtig, das heisst es wird keine ellenlange Wunschliste für alle Verwandten geschrieben. Meine Familie zum Beispiel ging am 24. Dezember zusammen ins Shoppingcenter und da hat sich jeder dann was ausgesucht. Das Geschenk wird dann eingepackt und abends wieder geöffnet. Ich habe ein Buch auf Spanisch bekommen. Denn zu lesen hilft beim Erlernen einer neuen Sprache.

Wir hatten so viel zu Essen. Unter anderem „pollo relleno“, das ein typisches Weihnachtsessen hier ist. „Pollo relleno“ ist ein Poulet gefüllt mit Schinken, Käsewürfel und roter Peperoni, das Hühnchen wird mit Senf eingestrichen und danach in den Backofen geschoben. Das ist soo lecker! Dann hatten wir noch Cherrytomaten gefüllt mit Roquefort und Rum, Toastbrötchen mit Hühnchen, Frischkäse, Ei und Würstchen garniert mit Orangenschale und Cognac.
Zum Dessert habe ich Schweizer Omeletten mit selbstgemachtem Apfelmus zubereitet. Wieso hab ich „Schweizer Omeletten“ geschrieben? Weil man nur in der Schweiz diese so nennt, ansonsten sind es nämlich Pfannkuchen oder Crêpes. Dieses typisch schweizerisches Gericht hat allen geschmeckt, auch wenn meine Brüder ein bisschen vom Zimt überwältigt waren, da Argentinier eher keine Gewürze verwenden.

Die meisten Jugendlichen gehen nach dem Essen tanzen und trinken mit Freunden. Gegen 6, 7 oder sogar 8 Uhr morgens kommt man dann wieder nach Hause. Ich war zwar nicht tanzen, aber ich habe mit meinem Bruder Agustin noch eine Freundin besucht. Dort haben wir ein bisschen gequatscht und zusammen Fruchtsalat gegessen. Gegen 5 Uhr morgens waren wir wieder zu Hause und gingen schlafen.
Alles in allem war es ein schönes, wenn auch ungewöhnliches Weihnachten.
°°°


- die Cherrytomaten mit Roquefort - 

 - pollo relleno -

 - Toastbrot mit Poulet, Frischkäse und Würstchen - 




- Omelette mit Apfelmus -



Neujahr war für mich eine viel schönere Erfahrung. Ich hatte kein Heimweh und konnte es deshalb richtig geniessen. Natürlich hat es wieder richtig viel zu essen gegeben. Aber wir hatten ja auch noch meine drei Cousins (Gonzalez, Leandro, Pablo), meine Tante Myriam und mein Onkel Jorge zur Hilfe. Obwohl wir erst gerade kürzlich die letzten Überresten vom Silvesteressen gegessen haben.
Zum Essen hatten wir ein gegrilltes Bein eines Schweines, Empanadas und natürlich alles mit Mayonnaise. Mmmh, das war so gut! Zum Dessert haben wir Schweizer Schokolade, die mir mein Grossmami zugeschickt hat, genossen und „Lemonchamp“. Das ist Champagner mit Zitroneneis.

Danach wollten wir – meine Brüder, meine Cousins und ich – an eine Party gehen, was wir schlussendlich nicht gemacht haben ausser Facundo.
Ist euch das auch schon aufgefallen? Argentinier lieben es auf Partys zu gehen, tanzen und was weiss ich auch noch. Hier ist es richtig normal, dass man an einem Feiertag nach dem Abendessen ausgeht. Wenn man 18 ist geht man in die „boliche“ – die Disko oder Club – oder wenn nicht, dann gibt es sicher irgendeine private Party. Als sie das erste Mal gehört haben, dass ich in der Schweiz schon um 12 Uhr nachts zu Hause sein musste, waren sie völlig entsetzt. Hier verlässt man das Haus um 12 Uhr oder sogar später und ist um 6 Uhr in der Früh wieder zurück.

Bis um 5 Uhr sassen wir alle zusammen da und haben gequatscht. Ich fand’s eine wunderschöne Nacht und werde sie für immer in Erinnerung behalten.
°°°


- unsere mexikanische Krippe -

 - unser Plastik-Christbaum -


- ich und meine Brüder Facundo und Agustin -



¡Chau!




P.S.: Sorry, dass ich erst so spät update. Wir hatten für einen Monat kein Internet mehr und danach war ich auf einer zweiwöchigen Reise im Süden von Argentinien.